Verjüngung alter Obstbäume durch Schnitt

Ein Problem für viele Obstbaumbesitzer stellt der Obstbaumschnitt dar. Jedes Jahr zur Schnittzeit werden dieselben bzw. ähnliche Fragen aufgeworfen. Aus Gründen der Unsicherheit oder auch wegen des fehlenden Wissens erfahren daher viele Obstbäume keinen Schnitt. Man lässt die Bäume einfach wachsen. Die Folge ist ein unkontrolliertes Wachstum der gesamten Baumkrone. In Haus- und Kleingärten handelt es sich zumeist um kleinere Baumformen wie Buschbaum oder auch Spindelbusch. Dagegen befinden sich in Siedlungsgärten und vor allem auf Grundstücken der freien Landschaft Halbstämme und Hochstämme. Die nachfolgenden Ausführungen sollen die Obstbaumnutzer dazu ermuntern, diese Obstbäume wieder fachgerecht zu schneiden.

Fehlender Instandhaltungsschnitt
Wie ausgeführt können Obstbäume, die sich im Ertragsstadium befinden und längere Zeit nicht oder kaum geschnitten wurden, so geschnitten werden, daß die ursprüngliche Kronenform fast wieder erreicht wird. Durch den fehlenden Instandhaltungsschnitt über Jahre hinaus hat sich ein Wirrwarr von Ästen und Zweigen gebildet, dessen Schnitt für einen Fachunkundigen fast zu einem unüberwindbaren Problem wird. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass vor dem Gebrauch von Schere und Säge keine Angst bestehen darf.

Aufbau und Schnitt der Krone
Bei Buschbaum, Halbstamm und Hochstamm handelt es sich um eine naturgemäße Krone. Sie weist einen Leittrieb, Äste erster Ordnung, Äste zweiter Ordnung sowie die Zweige mit dem Fruchtholz auf. Der Leittrieb soll sich immer an der höchsten Stelle im Obstbaum befinden, die Äste erster Ordnung (in der Regel die gerüstbildenden Äste) haben sich dem Leittrieb unterzuordnen.
Wenn auf diese Dinge nicht geachtet wird, bilden sich häufig diese Äste erster Ordnung teilweise zu Leittrieben, da sie höher wachsen als der Leittrieb. Die Folge ist, dass der Leittrieb kümmert und die Krone möglicherweise einseitig wächst. Aufgrund der Wachstumsgesetze, hier vor allem dem Gesetz der Triebspitzenförderung, wird das Triebwachstum vorrangig im oberen Drittel der Krone vollzogen. Dieses hat ferner zur Folge, dass die Äste im unteren Drittel vergreisen und verkahlen.

Durchführung des Schnittes
Beim Obstbaumschnitt sind die in den Vorkapiteln genannten Dinge zu beachten. Bei der Durchführung des Schnittes unterscheiden wir
  1. Den Schnitt am Buschbaum in Gärten und
  2. Den Schnitt an Halb- und Hochstämmen in der Landschaft.
Auf den Schnitt von Halb- und Hochstämmen in der Landschaft soll in diesen Ausführungen verzichtet werden, da dies einen sehr speziellen Schnitt darstellt und sehr arbeitsaufwendig ist. Auch sind Gerätschaften wie Highcutter und Hebebühne erforderlich.

Schnitt an Buschbäumen
Wenn der Baum im unteren Kronenbereich nicht allzusehr verkahlt ist, kann er so zurückgeschnitten werden, daß er fast seine ursprüngliche Form wiedererlangt. Aufbau der Krone und Schnittgesetze sind hierzu zu beachten.
Ist der Obstbaum total vergreist und verkahlt, so dass der eben beschriebene Schnitt nicht möglich ist, empfiehlt sich der Verjüngungs- oder Erneuerungsschnitt. Bei dieser Methode wird die Hälfte bis zu zwei Drittel des Kronenvolumens entfernt. Aus den verbleibenden Aststümpfen treiben dann wieder neue Triebe aus, mit denen eine neue Krone aufgebaut wird. Wichtig: bei all diesen Schnittaktionen ist generell eine Nachbehandlung im Sommer notwendig.

Bemerkungen
Diese Ausführungen sind zunächst nicht so leicht nachvollziehbar, da sie sich in der Theorie gut anhören, die praktische Umsetzung jedoch fehlt. Die Vorstellung, wie der Baum nach dem Schnitt aussieht, fehlt dem Hobbyobstbauer häufig. Dem Obstbaumbesitzer kann nur geraten werden, entsprechende Schnittkurse zu besuchen und die Theorie dann nach Bedarf in die Tat umzusetzen.

=> Stammpflege von Obstbäumen


Johann.Schierenbeck@DLR.RLP.DE     www.gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück