Nützlinge erkennen und schonen

Ein nützliches Heer von Räubern, Parasiten oder Krankheitserregern hilft uns meist unbemerkt mit den Schädlingen fertig zu werden. Sie zu schützen ist ein Teil des integrierten Anbaues und sollte unser aller Ziel sein.

Dies gelingt jedoch nur, wenn man sie kennt und über ihre Lebensgewohnheiten Bescheid weiß. Im Folgenden werden daher die in der Baumschule wichtigsten Nützlinge kurz vorgestellt.


Schlupfwespen

Die Schlupfwespen sind Hautflügler. Zu ihnen gehören auch die winzigen Brack-, Zehr-, Erz- und Blattlauswespen. Sie legen ihre Eier in die Eier öder Larven von Insekten. Es gibt viele Tausende von Arten, die besonders Jungstadien von Blattläusen und Schmetterlingen parasitieren, indem sie mit einem Legebohrer die Eier in die Wirte legen. Dort entwickelt sich dann die Larve auf Kosten der Wirte, die bald inaktiv werden und schließlich sterben. Befallene Blattläuse werden kugelig und zeigen eine bräunlich goldene Farbe, wenn sie parasitiert sind. Sie werden dann als Mumien bezeichnet. Die jungen Parasiten beißen ein Loch in die Mumie und schlüpfen aus. Da die erwachsenen Tiere dann über die Pflanzen laufen, um nach Opfern zu suchen, kommen sie leicht in Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln und werden abgetötet, wenn diese breitwirkend und nützlingsschädigend sind.


Marienkäfer

Am bekanntesten sind die Marienkäfer, die wie ihre Larven, die leider nur wenige kennen, Blattläuse, andere Kleinstinsekten und Spinnmilben fressen. Die Puppen der Marienkäfer sind meist gelbschwarz und haften auf den Blättern. Werden sie erschüttert, bewegen sie sich ruckartig auf und ab. Es gibt eine große Zahl verschiedener Marienkäfer, auch gelb-schwarze und bräunliche. Die gelben, stiftförmigen Eier werden meist an Blattlauskolonien abgelegt, damit die schlüpfenden Larven schnell Nahrung finden. Die erwachsenen Käfer können fliegen und so neue Beute suchen. Die Larven dagegen müssen laufen und viele gehen zu Grunde, wenn die Blattlauskolonien gänzlich durch Pflanzenschutzmittel beseitigt werden und damit das Futter wegfällt. Die Marienkäfer treten in den einzelnen Jahren unterschiedlich stark auf, was hauptsächlich davon bestimmt wird, wie gut die erwachsenen Käfer überwintern konnten und ob für die erste Generation der Larven genug Futter vorhanden ist. Die Überwinterung kann in Schuppen, auf Speichern oder in trockenem Pflanzmaterial stattfinden.


Raubmilben

Echte Helfer im Verborgenen sind die Raubmilben. Die etwa um 0,5 mm großen Spinnentiere fallen über Spinnmilben, deren Eier und Junglarven von Kleinstinsekten her, um sie auszusaugen. Besonders im Obst- und Weinbau hat sich gezeigt, dass der Einsatz von raubmilbenschädigenden Pflanzenschutzmitteln (z.B. Pyrethroiden und Schwefel) zu Massenvermehrungen von Spinnmilben führt. Viele der freilebenden Raubmilben können sich vorübergehend auch von Pflanzenmaterialen ernähren, wie z.B. Pollen. Einige Raubmilben leben auf dem Boden; die für die Spinnmilbenbekämpfung wichtigen Arten findet man auf der Rinde und neben den Blattadern.


Schwebfliegen

Die erwachsenen Schwebfliegen erkennt man, wenn sie mit ihrer Wespenzeichnung minutenlang in der Luft "stehen". Leider werden sie immer noch mit Wespen verwechselt und totgeschlagen. Die weißlichgelben, stiftförmigen Eier erkennt nur der geübte Betrachter. Die nacktschneckenartigen Larven dagegen sind leicht zu finden, wenn sie in den Blattlauskolonien liegen oder auf der Suche nach Blattläusen über das Laub kriechen. Für die erwachsenen Tiere ist es wichtig, dass Blüten vorhanden sind, an denen sie Nektar und Pollen finden. Die Larven sind sehr empfindlich gegen Insektizide.


Florfliegen

Die grünen, unbeholfen fliegenden Florfliegen ähneln mit ihren großen aderreichen Flügeln kleinen Libellen. Ihre Larven stellen Kleininsekten und besonders Blattläusen nach. Die erwachsenen Tiere überwintern häufig zu Hunderten auf Speichern und in ungeheizten Räumen. Die Eier sitzen auf einem langen biegsamen Stiel auf Blättern mit Blattläusen. Die länglichen, braun-gelben Larven sind auf Blättern zu finden, wenn sie nach Beute suchen. Helfen kann man diesen Arten, indem man ihnen Überwinterungsmöglichkeiten bietet, z.B. 20 cm große rotgestrichene Kästchen mit Holzwollefüllung und seitlichen Schlitzen.


Florfliege - Bild: Josef Schlaghecken

Weitere Nützlinge

Neben den genannten Nützlingen gibt es noch viele weitere Arten, wie Blattlaus-fressende Gallmücken, Spinnmilben-aussaugende Blumenwanzen, Spinnen, Laufkäfer und auch Vögel. HANS STEINER stellt sie in dem kleinen reichbebilderten Buch "Nützlinge im Garten" vor (Ulmer Verlag, Stuttgart, 1985; ISBN 3-8001-6271-7).

=> Schutz und Förderung von Nützlingen


Frank.Burghause@dlr.rlp.de     www.gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück