Wie sich die Fachmesselandschaft neu ordnet |
Der Wandel im Weinmarkt zeigt sich nicht nur in Absatz, Preisen und Konsumverhalten – sondern auch dort, wo Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen: auf den Fachmessen für Handel und Gastronomie. In den Monaten Februar und März finden traditionell die Fachhandelsmessen statt. Im Folgenden betrachten wir drei zentrale Formate im europäischen Messekalender:
Dabei wurde klar, dass sich die Kräfteverhältnisse zwischen diesen Formaten in den vergangenen Jahren spürbar verschoben haben. Wine Paris: neue Leitmesse mit politischem Rückenwind Die Wine Paris hat sich innerhalb weniger Jahre zur führenden internationalen Fachmesse entwickelt. Mit rund 6.500 Ausstellern und etwa 64.000 Besuchern liegt sie inzwischen klar vor der Konkurrenz. Diese Entwicklung ist kein Zufall: Frankreich hat die Messe gezielt aufgebaut und gestärkt – auch mit politischer Unterstützung. Hintergrund ist die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Wein- und Spirituosenbranche für das Land. Hinzu kommen strukturelle Vorteile:
Für viele exportorientierte Betriebe ist Paris heute die zentrale Plattform. ProWein: international etabliert – im Wandel Viel berichtet wurde in diesem Jahr über die Prowein. Der ein oder andere stimmte sogar einen Abgesang auf die Messe an. Kein Wunder beim nüchternen Blick auf die Zahlen:
Den Titel der Leitmesse hat die ProWein inzwischen an Paris verloren. Darüber hinaus treffen internationale Einkäufer – insbesondere aus Asien und Übersee – ihre Produzenten zunehmend auf regionalen Messen in ihren Heimatmärkten (z.B. Prowein Mumbai). Doch auch wenn die Messe kleiner geworden ist, zeigt sich ein stabiler Kern: Für viele Aussteller mit Fokus auf Zentral- und Nordeuropa bleibt die ProWein eine zentrale Plattform. Ein entscheidender struktureller Vorteil bleibt bestehen: Deutschland ist der größte Weinimporteur der Welt. Rund 60 % des konsumierten Weins stammen aus dem Ausland. Damit bleibt die ProWein ein zentraler Zugang zu einem der wichtigsten Absatzmärkte weltweit. In den Gesprächen mit den Ausstellern wurden folgende Punkte hervorgehoben:
Ein praktischer Aspekt für Aussteller kommt hinzu: Die Nebenkosten – insbesondere für Hotels – haben sich gegenüber den Hochphasen spürbar entspannt. Eurovino: wachsendes Format für den DACH-Markt Parallel dazu etabliert sich mit der Eurovino in Karlsruhe ein neues Messeformat für Fachbesucher - vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum. Die Entwicklung ist dynamisch: Nach 305 Ausstellern im Premierenjahr 2024 und 432 Ausstellern in 2025 zählte die Messe dieses Jahr über 500 Aussteller und rund 5.000 Besucher. Die Vorteile für viele Betriebe liegen auf der Hand: ● kurze Anreisewege nach Karlsruhe aus den vier größten deutschen Anbaugebieten Die Eurovino ergänzt damit das bestehende Angebot – insbesondere für Betriebe mit regionalem Fokus. Differenzierung statt Dominanz Die aktuelle Entwicklung zeigt: Mit der Wine Paris hat sich eine neue internationale Leitmesse etabliert. Mit ihrer Größe, Dynamik und internationalen Strahlkraft setzt sie derzeit den Referenzpunkt für die Branche. Gleichzeitig verändert sich die Rolle der anderen Formate. Die ProWein bleibt ein globaler Treffpunkt mit hoher Internationalität, steht jedoch vor der Aufgabe, ihr Profil im Wettbewerb neu zu schärfen. Die Eurovino etabliert sich als fokussiertes Format für den deutschsprachigen Markt. Die Messelandschaft wird damit nicht nur vielfältiger, sondern zwingt Betriebe zunehmend zu einer klaren Priorisierung. Die grundsätzliche Frage: Brauche ich überhaupt eine Fachmesse? Bevor über die Auswahl der passenden Messe entschieden wird, steht eine grundsätzliche Frage: Welche Rolle spielen Handel und Gastronomie im eigenen Vertriebssystem? Fachmessen richten sich primär an Fachbesucher – also Händler, Importeure und Gastronomen. Für Betriebe, die stark im Direktvertrieb arbeiten, können sie daher nur eingeschränkt relevant sein. Für exportorientierte Weingüter oder Betriebe mit klarer Handelsstrategie sind sie dagegen ein zentraler Zugang zu bestehenden und neuen Märkten. Die Entscheidung für oder gegen eine Messe ist damit keine operative, sondern eine strategische Frage der eigenen Vertriebsausrichtung. Strategische Einordnung für Weingüter Für Weingüter ergibt sich daraus eine zentrale Frage: Welche Funktion soll eine Messe im eigenen Vertriebssystem erfüllen? Messen können – je nach Betrieb und Strategie – unterschiedliche Aufgaben übernehmen: ● internationale Sichtbarkeit aufbauen Entscheidend ist nicht die einzelne Messe, sondern ihre Funktion im eigenen Vertriebssystem. Fazit Die Messelandschaft wird differenzierter – und damit strategischer. Weingüter müssen sich also fragen: „Welche Messe zahlt konkret auf meine Vertriebsziele ein?“ |
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