Weinmarkt in Deutschland schrumpft

Stand: 05/24/2022
Die Einkaufsmenge von Wein geht im ersten Quartal 2022 um 18,5 % gegenüber 2021 zurück. Auch gegenüber dem gleichen Zeitraum 2020, also vor Corona, sinkt die Weinmenge um rund sieben Prozent. Die weltpolitische Sicherheitslage, steigende Preise und Lebenshaltungskosten haben deutliche Auswirkungen auf den Weinkonsum der deutschen Haushalte.

Das deutsche Weininstitut hat die Daten zur Entwicklung des Weinmarktes im ersten Quartal 2022 veröffentlicht. Die Daten stammen aus dem Haushaltspanel von NielsenIQ, das die Einkäufe von allen Gütern des täglichen Bedarfs von privaten Haushalten erfasst.

Die Käuferreichweite, also der Anteil der Haushalte, die Wein im 1. Quartal 2022 eingekauft haben, ging auf 37,1 % zurück. Im Vorjahreszeitraum lag diese Kennzahl bei 42,2 %. Der Anteil der weinkaufenden Haushalte war damit in 2022 auch kleiner als vor dem ersten Lockdown (1. Quartal 2020: 38,3 %)

Auch die Käuferreichweite von deutschem Wein ging gegenüber 2021 von 29,3 % auf 25,4 % im 1. Quartal 2022 zurück. Sie lag damit aber zumindest über dem Vor-Corona-Wert aus 2020.

Positiv ist, dass der mengenmäßige Marktanteil von deutschem Wein mit rund 45 % in etwa auf dem Vorjahresniveau liegt. Wertmäßig betrachtet liegen die deutschen Weine mit 47%. Auf einem insgesamt schrumpfenden Markt konnte Frankreich gegen den Trend steigende Umsätze verbuchen.

Nach dem durch den Lockdown bedingten extremen Umsatzwachstum im Vorjahr (+19,4 %) beläuft sich das Minus in 2022 auf 16,4 Prozent. Die Ausgaben für Wein bewegen sich damit wieder etwa auf dem Niveau des ersten Quartals 2020

Trotzdem zeigen die deutschen Konsumenten den einheimischen Produkten gegenüber eine hohe Wertschätzung. Lediglich im Livestyle-Bereich können leichte Imagedefizite gegenüber internationalen Weinen beobachtet werden. Grundsätzlich legt der Verbraucher Wert auf den Geschmack des Weines und welche bisherigen Erfahrungen damit gemacht wurden. Weiterhin beeinflusst das Herkunftsland und Region maßgeblich die Preisbereitschaft der Käufer.

Schaut man genauer auf die Gewinne und Verluste der einzelnen Weinarten, entdeckt man große Unterschiede. Die stärksten Änderungen sind im Rosébereich zu betrachten, in dem Frankreich und die neue Welt Marktanteile verloren haben, während Spanien einen Zuwachs von rund 70% feiern darf. Gleichzeitig musste Spanien massive Verluste im weißen Bereich hinnehmen. Im Rotweinsegment liegen die Änderungen durchweg lediglich im unteren einstelligen Bereich. Die Mengengewinne Spaniens spiegeln sich allerdings nicht in den Umsatzanteilen, d.h. die Mengenzuwächse wurden wohl durch Preisabschläge „erkauft“. Frankreich hingegen konnte umsatzmäßig seine Marktanteile über 8% sowohl bei Rot- als auch Weißwein steigern. Diese Steigerung ging auf Kosten der anderen Marktteilnehmer.

Der Blick auf die Weinarten zeigt einen Gewinner: das Rosésegment. Der Marktanteil steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent, befeuert durch das Wachstum der spanischen Rosés. Umsatzseitig gesehen entfielen fast 11% der Ausgaben auf Roséweine, wobei deutsche wie internationale Weine gleichauf sind.

Hier geht es zur Pressemitteilung des deutschen Weininstituts: https://www.deutscheweine.de/presse/pressemeldungen/details/news/detail/News/inflation-bremst-weineinkaeufe/

Quelle: DWI Mafo-News 2/2022 „Einkäufe privater Haushalte in Deutschland“



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