Licht und Schatten am Weinmarkt

Stand: 11/30/2015
Regelmäßig wertet das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz in Oppenheim die Halbjahreszahlen der Qualitätsweinprüfung zum 30.6. aus. Die Daten hierfür stellt die Landwirtschaftskammer (LWK) Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach zur Verfügung. Die Anstellungsmengen lassen Aussagen zu über das Vermarktungspotenzial der nächsten Monate und erlauben damit quasi einen Blick in die Zukunft des Weinmarktes. Bernd Wechsler analysiert die Trends und Entwicklungen für Rheinland-Pfalz.

Qualitätsweinmenge bleibt stabil

Die Qualitätswein-Anstellungsmenge in Rheinland-Pfalz lag zur Jahresmitte 2015 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres 2,78 Mio. hl (-0,2 %). Aus den Analysen der vergangenen Jahre wissen wir, dass es Unterschiede im Anstellungsverhalten zwischen Kellereien und Winzergenossenschaften (WGs) auf der einen und Weingütern auf der anderen Seite gibt. Weingüter haben einen Füllschwerpunkt im Frühjahr, so dass bis Ende Juni bereits 70 % der Jahresmenge angestellt worden sind. Kellereien und WGs arbeiten kontinuierlicher und bedarfsorientiert. Bei diesen ist zur Jahresmitte ziemlich genau die Hälfte der Jahresmenge gefüllt und von der LWK geprüft. Diese Quoten sind seit Jahren sehr konstant und erlauben es deshalb, die Anstellungsmenge auf das ganze Jahr hochzurechnen: Unter der Voraussetzung, dass es zu keinen außergewöhnlichen Marktverwerfungen kommt, dürfte die Qualitätsweinmenge aus Rheinland-Pfalz im Jahr 2015 wie im Vorjahr bei knapp 4,9 Mio. liegen. Die Marktbeschickung bleibt damit weiter sehr stabil.

Anbaugebiete: Mosel legt zu, Rheinhessen im Minus

Gestützt wird das stabile Anstellungsniveau von der Entwicklung an der Mosel. Nach drei mengenmäßig unterdurchschnittlichen Ernten in den Jahren 2010, 2012 und 2013 stieg die Anstellungsmenge von Moselwein nach der Ernte 2014 über alle Betriebsgruppen hinweg um 20 % (Welche Weine das genau sind, soll unten beim Blick auf die Rebsorten noch einmal näher betrachtet werden). Während die Anstellungen von Weingütern an der Mosel alles in allem über Jahre sehr stabil sind, waren die Qualitätsweinmengen der Kellereien in Folge der kleinen Ernten dramatisch gesunken.

In 2015 sind die Einkäufer der Kellereien nun zu den gut gefüllten „Futtertrögen“ - oder besser Fässern - an der Mosel zurückgekehrt. Einmal mehr bestätigt sich die These, dass die Herkunft eines Weines im Handel sehr austauschbar ist und letztendlich die Erntemenge den Markt bestimmt. Als es an der Mosel nicht genug Wein gab, kaufte man in Rheinhessen oder der Pfalz. Jetzt, wo die Mengen passen, stellen die Kellereien auch schnell wieder auf Qualitätswein von der Mosel um.

Die Pfalz konnte sich aus diesem Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel zwischen den drei großen Anbaugebieten weitgehend heraushalten. Mit einer Qualitätsweinmenge in Höhe von 1 Mio. hl erreichte man ziemlich genau die gleiche Marke wie im Vorjahr. Klar ist aber, wo es Gewinner gibt, gibt es auch einen Verlierer. Der heißt in diesem Jahr: Rheinhessen. Von Frost und Hagel verschont, lagen die Erntemengen im größten deutschen Anbaugebiet in den Jahren 2011 – 2014 immer zwischen 2,5-2,6 Mio. hl. Konnten die Pfalz oder Mosel nicht liefern, Rheinhessen war zur Stelle. Im ersten Halbjahr 2015 allerdings sind die Qualitätsweinanstellungen in Rheinhessen um fast 6 % oder rund 6,8 Mio. Liter zurückgegangen. Damit liegt der Rückgang in Rheinhessen etwa in der Größenordnung einer kompletten Weinernte von Ahr und Mittelrhein zusammen. Diese großen Mengenverschiebungen bleiben natürlich nicht ohne Auswirkung auf die Preise am Fassweinmarkt.

Betriebsgruppen: Kellereien spüren Marktdruck

Wie bereits angedeutet ist die Entwicklung bei den verschiedenen Betriebsgruppen (ob Kellerei, Weingut oder Winzergenossenschaft) durchaus unterschiedlich. Auch bei den Weingütern gibt es in diesem Jahr einen deutlichen „Moseleffekt“. Die Anstellungsmengen von Weingütern sind landesweit um 6 % angestiegen und langfristig recht stabil, sieht man von natürlichen Ertragsschwankungen mal ab. Auf der anderen Seite gingen die Mengen der Kellereien und Winzergenossenschaften in 2015 um 3 % erneut zurück. Dieser Rückgang ist wohl tatsächlich nachfragebedingt, denn das Angebot - sprich die Erntemenge - war in den Jahren 2013 (5,73 Mio. hl) und 2014 (6,1 Mio. hl) in Rheinland-Pfalz sowohl was die Qualität als auch die Menge betrifft, sicher verfügbar. Wegen der hohen Abhängigkeit vom Handel trifft es das Anbaugebiet Rheinhessen gerade im Kellereisegment besonders hart. Im ersten Halbjahr 2015 gingen fast 7 % weniger Rheinhessenwein aus Kellereien in die Kammerprüfung als 2014.

Rebsortentrends: Weiße Klassiker vorne

Zwei Drittel aller Anstellungen in Rheinland-Pfalz im ersten Halbjahr 2015 waren Weißweine (plus 1 % gg. Vj.). Hinzu kommen 23 % Rot- und 11 % Roséweine. Die mittelfristigen Trends (2005-2015) bei den Weinarten lauten: Stabilität bei Weißwein, deutliche Verluste beim Rotwein und Wachstum im Rosébereich.

Bei den weißen Rebsorten ist und bleibt der Riesling mit großem Abstand vorne. Mittlerweile ist jede zweite Flasche Weißwein (mit Rebsortenangabe) aus Rheinland-Pfalz ein Riesling! Auch in 2015 legte die Königin der Weißweinreben nochmals um über 7 % zu. Besonders stark gewachsen sind die Riesling-Anstellungen von der Mosel und aus der Pfalz. Riesling ist schon lange nicht mehr nur ein Wein für Spezialisten, sondern feiert auch Erfolge in der Fläche. Noch nie haben Kellereien so viel Riesling Qualitätswein bei der LWK gemeldet als im ersten Halbjahr 2015. Offensichtlich ist Riesling im Handel und Export nach wie vor sehr gefragt.

Weiter auf Platz 2 der beliebtesten Rebsortenweine ist der Müller-Thurgau; seit Jahren eine stabile Größe vor allem für den Handel. Unverändert auf Wachstumskurs sind Grau- (+ 9 %) und Weißburgunder (+ 15 % gg. Vj.). Der Markt nimmt diese Weintypen, die zu 98 % im trockenen/max. halbtrockenen Geschmacksbereich positioniert sind, bislang gerne auf.

Weine ohne Rebsortenangabe (-15 %), das heißt klassische Generics wie die Liebfrauenmilch, Großlagenweine o.ä. verlieren immer mehr an Marktbedeutung. Aber selbst in diesem besonderen Segment gibt es keine einheitliche Marktentwicklung. Während die Anstellungen von weißen Generics aus Rheinhessen (- 5,6 Mio. l) oder der Pfalz (-1,7 Mio. l) drastisch gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind, füllten die Kellereien ihren Bedarf an der Mosel (+ 3 (!) Mio. l ) deutlich auf. Ob dieses tendenziell schrumpfende und preislich wenig attraktive Marktsegment von der Mosel aber auf Dauer bedient werden kann, darf bezweifelt werden.

Flaute am Rotweinmarkt

Zwei Drittel aller Rotweinanstellungen zum 30.6.15 sind Dornfelder (über 42 Mio. l). Dieser spürt die Flaute auf dem Rotweinmarkt deshalb auch besonders stark (- 2 Mio. l). Die internationale Konkurrenz ist groß und bietet eine Menge. Der Hype um Dornfelder Rotwein ist schon lange verflogen und die Branche auf der Suche nach neuen Impulsen. Vom Spätburgunder sind diese derzeit nicht zu erwarten. Mit weitem Abstand folgt dieser dem Platzhirsch Dornfelder auf dem Rotweinmarkt nach. Nachhaltiges Wachstum ist beim Pinot nicht in Sicht.


Obwohl 2015 für Roséanstellungen nicht das beste Jahr war, entwickelt sich dieses Marktsegment seit einiger Zeit durchaus positiv. Noch ist der Portugieser Weißherbst der wichtigste hellrote Wein am Markt in Rheinland-Pfalz. Doch die Wachablösung durch den Dornfelder Rosé ist nur noch ein Frage der Zeit. Im Gegensatz zum Weißwein, wo Weine ohne Rebsortenangabe deutlich verlieren, muss ein einfacher Rosé offensichtlich nicht unbedingt „sortenrein“ sein. Vor allem Weingüter wählen derzeit die einfache Rosé-Variante, indem sie eine Cuvee aus verschiedenen Rebsorten im Sortiment führen.


Weinkonsum in Deutschland und Export schwächeln

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vermeldete für das Jahr 2014 einen Rückgang der Käuferhaushalte in Deutschland auf nur noch 55,4 % (in 2008 waren es noch 61 %). Mit sinkenden Käuferzahlen geht auch seit Jahren die Einkaufsmenge von privaten Haushalten in Deutschland zurück, in 2014 um -2,4 %. Deutscher Wein konnte sich diesem Trend in den letzten Jahren gut entziehen. In 2014 hat es nun auch die heimischen Erzeuger voll erwischt. Mengenmäßig reduzierte sich die Einkaufsmenge um -4,0 % und auch wertmäßig büßte deutscher Wein fast 2 Prozentpunkte ein.

Auf den ausländischen Märkten sieht es im Moment - zumindest wohl für Kellereien - nicht viel besser aus. Die offizielle Exportstatistik für das Jahr 2014 weist einen Rückgang der Weinausfuhren um 10 % aus. Russland ist in nur 5 Jahren von Platz 4 der Mengenstatistik auf Rang 12 abgerutscht. Großbritannien kommt nicht auf die Beine. Der Hoffnungsträger China schwächelt. Alleine die skandinavischen Länder stemmen sich gegen diesen Abwärtstrend, dort sind Weine deutscher Winzer gefragt und werden gut bezahlt. Relativierend muss hinzugefügt werden, dass die offizielle Exportstatistik nicht alle in der EU gehandelten Weinmengen ausweist. Meldungen sind im innergemeinschaftlichen Warenverkehr erst ab einer Größenordnung von über 500.000 €/a verpflichtend gesetzlich vorgeschrieben. Es steht deshalb zu vermuten, dass die Exportmengen in Länder der EU - vor allem von kleinen und mittleren Betrieben – höher liegen, als dies die offizielle Statistik ausweist.

Fazit: Weinmarkt im Umbruch

Zwar sind die Marktsignale derzeit alles andere als rosig, bei differenzierter Betrachtung wird aber deutlich, dass es sehr wohl Marktbereiche mit großer Stabilität und sogar Wachstum gibt: Die klassischen weißen Rebsorten, allen voran der Riesling zeigen eine gute Performance am Markt. Mit flexiblen Kooperationsmodellen schaffen es Weingüter mittlerweile auch im angestammten Revier der Kellereien, dem LEH, Fuß zu fassen. Überhaupt sind Weingüter die Treiber des Weinmarktes. Sie setzen die Trends und öffnen Märkte mit innovativen Produktkonzepten. Gerade in den großen Städten des Landes begeistern sie junge ambitionierte Weintrinker. Das gleiche gilt für den Export, wo diese Betriebe sehr gute Erfolge erzielen.

Auf der anderen Seite stehen die Kellereien, die u.a. den Wegfall der Generics im Weißweinbereich und die Schwäche beim Rotwein (z.B. Dornfelder) zu verkraften haben. Nach den kleineren Ernten der letzten Jahre ist es zudem ein mühsamer Weg, den deutschen Wein zurück in die Regale des Handels zu führen. Das kostet bares Geld. Die Konkurrenz ist groß und der Druck auf die Preise wird deutlich spürbar.

Zusammenfassung der Auswertung der LWK-Halbjahreszahlen zum 30.6.2015:
  • Qualitätsweinmenge in Rheinland-Pfalz ist insgesamt recht stabil
  • Unterschiedliche Entwicklung bei Weingütern (+6%) und Kellereien (-3%)
  • Weiße Rebsortenweine und Rosé im Aufwind
  • Weiße Generics und Rotwein (Dornfelder) verlieren
  • Weingutskonzepte sind die Treiber des Marktes





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