Weinbestände & Fassweinmarkt

Stand: 03/27/2018
Der Vergleich der jährlichen Zahlen zu den bei Erzeugern und Händlern lagernden Weinbeständen, vor allem unter Berücksichtigung der Weinmosternten, lässt Rückschlüsse auf tendenzielle Entwicklungen auf dem deutschen Weinmarkt zu. In die Statistiken der Statistischen Bundes- und Landesämter fließen alle Weinbestände von Unternehmen und Betrieben ein, die zum Ende des Weinwirtschaftsjahres (Stichtag 31. Juli) über einen Bestand von mehr als 100 hl verfügen. Einbezogen werden Betriebe, die Wein zum Verkauf herstellen (Erzeuger) sowie Unternehmen des Großhandels mit Wein (Handel). Die Weinbestandsstatistik unterscheidet ferner nach Herkunft, Qualitätsstufen und Weinart.


Weinbestände in Deutschland nach Herkunft



Deutschland: Deutschwein-Bestände gesunken

Weine deutscher Herkunft machen durchschnittlich etwa 70 Prozent des gesamten deutschen Weinbestandes aus. Hinzu kommen Weine aus anderen EU- und Drittländern. Um den Markt bei schwankenden Erntemengen kontinuierlich beliefern zu können, ist ein gewisser Lagerbestand notwendig. Die zum 31.7. gemeldeten Deutschweinbestände liegen im langjährigen Mittel etwas unter einer durchschnittlichen deutschen Weinmosternte.

Am 31.07.2017 belief sich der Weinvorrat bei deutschen Winzern und Handelsunternehmen auf insgesamt 12,2 Millionen hl und war damit um 114 Tausend Hektoliter höher (+0,9%) als ein Jahr zuvor. Die Deutschwein-Bestände waren mit 8,6 Millionen Hektoliter um 0,6 Millionen Hektoliter bzw. 6,4% geringer als ein Jahr zuvor.
Dagegen lagen die Bestände von Weinen aus anderen EU-Ländern (3,1 Mio. hl) deutschlandweit mit einem Plus von 33 Prozent deutlich über dem Vorjahreswert.


Deutschwein-Bestände in Deutschland und Rheinland-Pfalz



Die Hälfte der Weinbestände lagert in Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz ist hinsichtlich der Weinproduktion das größte deutsche Bundesland. Zudem haben viele große Kellereien und Weinhändler hier ihren Sitz. Daher verwundert es nicht, dass in Rheinland-Pfalz zum Stichtag jeweils etwas mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Weinbestände lagern. Fast genau drei Viertel der rheinland-pfälzischen Weinbestände entfallen durchschnittlich auf deutsche Weine. 2017 waren es 4,76 Millionen Hektoliter – ein leichtes Plus von 1,9 Prozent. Die Bestände von Weinen aus anderen EU-Ländern (-4,9%) und Drittländern (-16,5%) sind in Rheinland-Pfalz gegenüber dem Vorjahr gesunken.


Bestände deutscher Weine in Rheinland-Pfalz nach Farbe



Die rheinland-pfälzischen Lagerbestände deutscher Weine entfallen zu 62% auf Weißweine und 38% auf Rotweine. Die Entwicklung der Bestände steht in direktem Zusammenhang mit den Mosternten des Vorjahres. Die leicht überdurchschnittliche Weißweinernte 2016 führte 2017 zu einem Plus (2,5%) der Weißweinbestände gegenüber dem Vorjahr. Die Rotweinbestände lagen nur leicht über dem Vorjahresniveau.


Deutsche Weißweine in den Lagern von Erzeugern und Handel



Die meisten Bestände lagern in den Kellern der Winzer

Die Bestände an deutschen Weinen verteilen sich ungleichmäßig auf Erzeuger und Handelsunternehmen. Von den Deutschweinbeständen liegen im Mittel etwas mehr als 60 Prozent in den Kellern der rheinland-pfälzischen Winzer. Insgesamt waren die Bestände im vergangenen Jahr bei den Erzeugern etwas niedriger als 2016, während sie bei den Handelsbetrieben gegenüber dem Vorjahr zugenommen haben.

Dies geht vor allem auf die Bestandssituation im Weißweinbereich zurück. Die Bestände an deutschen Weißweinen waren bei den Erzeugern in 2017 geringfügig um 1,8% niedriger als ein Jahr zuvor. Dennoch lagen sie mit 1,87 Millionen Hektoliter um 9 Prozent über dem 10-Jahres-Durchschnitt. Dagegen hatten die Handelsunternehmen eine um knapp 11 Prozent größere Weißweinmenge (1,06 Mio. hl) auf Lager als ein Jahr zuvor.


Bestände deutscher Weißweine in Rheinland-Pfalz nach Qualität



Bestand von weißen Qualitätsweinen gestiegen

Die Bestände weißer Qualitätsweine sind in Rheinland-Pfalz seit 2011 tendenziell gestiegen und lagen 2017 mit 1,97 Millionen Hektoliter wieder um 4 % über dem Vorjahreswert bzw. fast 15 Prozent über dem Schnitt der vergangenen 10 Jahre. Die Kurve der Prädikatsweinbestände zeigt im gleichen Zeitraum tendenziell nach unten.


Einfluss von Weinbestand und –ernte auf den Fassweinpreis

Fassweinpreise von Summe aus Ernte und Bestandsmenge beeinflusst

In diesem Zusammenhang lohnt ein Blick darauf, wie sich Weinmosternten und Weinbestände zu den Preisen auf den Fassweinmärkten verhalten. Denn nicht allein Größe und Qualität einer Weinmosternte bestimmen die Preisentwicklung von Fassweinen. Vielmehr ist die Verfügbarkeit von Wein, die sich aus Bestandslage und geernteter Menge ergibt, bestimmend für das Angebot. Diesem Angebot steht ein Bedarf, beeinflusst durch die Nachfrage auf dem heimischen Markt bzw. den Exportmärkten, gegenüber. Der Marktpreis ergibt sich laut Theorie aus Angebot und Nachfrage.

Ausgehend von diesem Gedanken haben wir untersucht, ob und wie die Fassweinpreise von der vorhandenen Weinmenge (= Angebot) beeinflusst werden. Dazu wurden vereinfachend die Summe aus Bestands- und Erntemengen von weißen Qualitätsweinen den Fassweinpreisen für Riesling bzw. Müller-Thurgau im Zeitraum 2004-2017 einander gegenübergestellt. Die Preise wurden dabei aus dem Mittelwert der Monate Oktober des Erntejahrs bis September des Folgejahres berechnet. Das Ergebnis in Abbildung 6 zeigt auf den ersten Blick, dass die Preise für Riesling QW in Jahren mit einer großen Angebotsmenge sanken und in Jahren mit einer kleinen Summe aus Bestand und Erntemenge anstiegen. Beide Preiskurven schwanken mehr oder weniger stark in jeweils entgegengesetzte Richtung um die ebenfalls eingezeichneten Trendlinien.

Dieses Ergebnis legt den Schluss eines linearen Zusammenhangs nahe. Die errechnete Korrelation zwischen den beiden Faktoren Angebot und Preis liegt tatsächlich mit -0,76 sehr hoch. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich für Müller-Thurgau QW. Das in einer Regressionsanalyse berechnete Bestimmtheitsmaß R² liegt mit 0,6 für beide Rebsorten ebenfalls hoch. Stellt man die Preise lediglich nur den Erntemengen bzw. den Beständen gegenüber, sind Korrelation und Bestimmtheitsmaß deutlich geringer. Diese beiden Größen allein sind zur Erklärung der Preisentwicklung also weniger gut geeignet.

R² gibt an, wie gut die Preisentwicklung durch das Angebot aus Bestand plus Ernte beschrieben werden kann. Bei einem Wert R²=1 könnte man den Preis komplett mit dem verfügbaren Angebot erklären. Mit anderen Worten: es gibt noch andere Einflussfaktoren auf den Preis als die Summe aus Bestand und Erntemenge.

Angebot und Nachfrage können nur dann eine vollständige Erklärung für den sich ergebenden Preis sein, wenn alle Marktteilnehmer diese Größen genau kennen bzw. gut abschätzen können. Diese Markttransparenz ist im Allgemeinen natürlich nicht gegeben. Hinzu kommt, dass deutsche Weine mit Weinen aus anderen Ländern konkurrieren. Insofern bildet sich der Fassweinpreis in Rheinland-Pfalz auch in Abhängigkeit vom Angebot auf den internationalen, insbesondere den europäischen Weinmärkten.

Situation 2017 nur bedingt mit 2013 vergleichbar

Die historisch niedrige Ernte 2017 traf auf einen leicht überdurchschnittlichen Weinbestand in den Kellern von Erzeugern und Handel. Hinzu kam die „Turbolese“, die um die Qualität der Ernte fürchten ließ. Zum Zeitpunkt der sehr frühen Ernte 2017 fehlte zudem die Information, wieviel Wein insgesamt noch aus den Vorjahren verfügbar ist. Die Marktteilnehmer reagierten nervös. Kellereien versuchten, sich im Mostgeschäft frühzeitig mit qualitativ guter Ware einzudecken. Winzer waren angesichts der einzelbetrieblich zum Teil sehr geringen Erntemengen vorsichtig und wollten die weitere Entwicklung abwarten. Dies führte in den Wochen nach der Ernte zu einem knappen Angebot und die Preise stiegen innerhalb kurzer Zeit stark an.

Die Abweichung der Preiskurve in 2017 von der Trendlinie ist höher als die der Summe aus Bestand und Erntemenge (=2,25 Mio. hl). Ein ähnlicher Verlauf der beiden Kurven ist für das Jahr 2013 erkennbar: hier betrug die Summe aus Bestand und Ernte nur 5,17 Millionen Hektoliter und führte zu einem Durchschnittspreis von 116 €/hl. Der für 2017 ebenfalls errechnete Mittelwert von 116 €/hl berücksichtigt bisher nur die Preise von Oktober 2017 bis Februar 2018 und ist daher stark von den niedrigeren Mostpreisen beeinflusst. Aktuell (15.02.2018) liegt der Preis für Riesling QW stabil bei 120 €/hl.

Beim Vergleich mit dem Jahr 2013 muss zudem berücksichtigt werden, dass damals die unterdurchschnittliche deutsche Weinmosternte mit einer sehr hohen Ernte in anderen europäischen Ländern zusammentraf. Dies ist 2017 nicht der Fall – auch die großen Weinbauländer Italien, Frankreich und Spanien haben selten niedrige Weinmosternten eingefahren. Ein Austausch deutscher durch europäische Weine in den Regalen des Lebensmittelhandels wird daher diesmal nicht so leicht möglich sein.

Da die genannten Einflussfaktoren auf den Fassweinpreis nicht vollständig sind – hinzukommen z.B. noch die Entwicklung des Weinkonsums in Deutschland oder die Nachfrage auf den Exportmärkten, bleibt es in den nächsten Monaten spannend. Mit sinkenden Fassweinpreisen ist jedoch angesichts der Gesamtsituation kaum zu rechnen.


Download: dwm_06_18_s39_41_Rheinschmidt_Weinbestände.pdfdwm_06_18_s39_41_Rheinschmidt_Weinbestände.pdf



karin.rheinschmidt@dlr.rlp.de     www.Weinmarketing.rlp.de drucken nach oben