Den Obstbaumkrebs besser unter Kontrolle bringen (02/04)

Rudolf Faby, VBOG Langförden, 2004


Beim Obstbaumkrebs handelt es sich um einen Pilz, der in unseren Anlagen in seiner Nebenfruchtform Cylindrocarpon mali / heteronemum und seiner Hauptfruchtform Nectria galligena auftritt. Die Sporenlager der Nebenfruchtform heißen Sporodochien. Es sind weißlich-gelbliche polsterförmige Konidienlager, die man im Randbereich der jüngeren Wunden findet. Unter warmen Bedingungen dauert es nur 1 bis 2 Monate von der Infektion bis zum Auftreten der Konidienlager, die dann sofort mit Regen im Baum verteilt werden können.

Die Sporenlager der Hauptfruchtform nennt man Perithecien. Darin befinden sich die Askosporen. Es sind kleine rote ovale Kugeln, die den Wintereiern der Obstbaumspinnmilbe sehr ähnlich sind, allerdings etwas kleiner. Sie entstehen wesentlich später als die Sporodochien, weshalb sie in der Regel auch nur auf älteren Wunden vorkommen. Man sieht sie häufig erst im Herbst zum Blattfall oder später im Winter. Im Gegensatz zu den Konidien werden die Askosporen einige Zentimeter hoch ausgeschleudert und können dabei durch den Wind verbreitet werden. Je nach Menge und Alter von Krebsinfektionen kann man das ganze Jahr über Infektionsmaterial haben. Das dies auch tatsächlich so ist, erkennt man auch an Kelchgrubeninfektionen der Früchte während der Blüte sowie an Lagerfäulnis durch diesen Pilz. Zu Infektionen kann es nur kommen, wenn bei Nässe große Mengen von Sporen auf frische Wunden, wie z. B. an Blattnarben, Fruchtkuchen, Schnittwunden oder feine Rindenrisse nach Frosteinwirkung treffen.

Versuchsarbeit
In den letzten 8 Jahren wurden in der VBOG Langförden Bekämpfungsversuche während des Blattfalls gemacht, und zwar zur Prüfung der Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln, der Aufwandmenge von Kupfer, Kupferverbindungen und zur Frage der Anwendungshäufigkeit während des Blattfalls. Die organischen Fungizide Malvin und Euparen waren gleich gut oder besser als Kupfer, hatten allerdings eine geringere Regenfestigkeit. Bei Kupfer brachte die Erhöhung der Aufwandmenge von 2 kg auf 5 kg/ha keine Wirkungssteigerung. Kupferoxychloridhaltige Produkte waren bei gleicher Kupferaufwandmenge dem Cuprozin (Kupferhydroxid) vergleichbar. Bei Benomyl streuten die Ergebnisse sehr stark, während Cercobin fl. in den letzten 2 Jahren sehr gute Resultate brachte. Flint zeigte nur eine schwache Wirkung, weshalb es auch nicht zur Bekämpfung von Kelchgrubeninfektionen und Lagerfäulen durch den Obstbaumkrebs geeignet ist. Bezüglich der Anwendungshäufigkeit während des Blattfalls haben sich zwei Behandlungen als ausreichend erwiesen, und zwar die erste bei 20 – 30 % und die zweite bei 50 bis 60 %.

Empfehlung
Anlagen mit erhöhtem Krebsbefall lassen sich nur sanieren, wenn es gelingt, den Infektionsdruck entscheidend zu verringern und neue Infektionen zu verhindern. Das bedeutet, Befallsstellen müssen durch Schnitt oder Ausschneiden der Wunden entfernt werden, befallenes Schnittholz aus den Anlagen entfernen, keine steilen Äste mit spitzem Astwinkeln in den Bäumen belassen, Schnitt nur bei trockenem Wetter und in Junganlagen befallene Bäume roden. Weitere Einflußfaktoren sind die Sortenanfälligkeit, der Standort und die Wüchsigkeit. Bei Neupflanzungen ist auch auf die Gesundheit des Pflanzenmaterials zu achten.

Zur Verhinderung von neuen Infektionen sollte folgendes beachtet werden:
- Bei feuchter Witterung während der Ernte die frischen Fruchtkuchenwunden mit Malvin oder Funguran behandeln.
- Bei feuchter Witterung während des Blattfalls zwei Behandlungen mit Funguran durchführen.
- In Einzelfällen im Winter bei Entstehung neuer Wunden durch starke Fröste und vorhandener Nässe Funguran ausbringen, wobei der Schwerpunkt der Infektionen hauptsächlich im Bereich des Stammes, und der stärkeren Zweige und deren Ansatzstellen an der Stammverlängerung liegen dürfte. Es würde ausreichen, wenn nur diese Bereiche gezielt behandelt werden.

In Anlagen mit starkem Krebsbefall sollte zur Vermeidung von Fruchtinfektionen während der Blüte (Kelchgrubenfäule) und im August / September (Lagerfäulen) kein Flint sondern Malvin bzw. Merpan oder Euparen M WG eingesetzt werden.





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