Untersuchungen zur Bedeutung und Lebensweise der Grünen Rebzikade Empoasca vitis (Goethe) als Entwicklungsgrundlage für deren umweltschonende Bekämpfung

Ansprechpartner: Dr. Karl-Josef Schirra
karl-josef.schirra@dlr.rlp.de

Obwohl die Rebzikade Empoasca vitis (Goethe) schon seit langem in deutschen Rebflächen nachgewiesen ist, hat ihre Bedeutung als Rebschädling in vielen deutschen Weinanbaugebieten erst seit Beginn der 90er Jahre zugenommen. Bei Überschreiten der Schadensschwelle ist eine gezielte Bekämpfung des Schädlings oft nicht zu vermeiden. Im vorliegenden Projekt werden bisher nicht verfügbare Kenntnisse über Lebensweise und Phänologie des Schädlings erarbeitet. Mit den gewonnenen Daten sollen gezielte Bekämpfungsmaßnahmen mit besonderem Schwerpunkt auf umweltschonende Strategien und potenzielle Prognosemöglichkeiten entwickelt werden.

Ein Schwerpunkt des Projektes lag in der Untersuchung der zeitlichen und räumlichen Entwicklung des Zikadenbefalls von Reben. Hierzu wurden Daten von Einzelblattauswertungen, wöchentlichen Blattprobennahmen sowie Gelbtafelfängen mit gleichzeitiger Erfassung des Larvenbefalls aufgenommen. Im Versuchszeitraum 1998 bis 2000 wurden mehr als 3500 Gelbtafeln mit ca. 1.000.000 adulten Zikaden und über 20.000 Zikadenlarven aus Blattuntersuchungen ausgewertet. Aus diesem umfangreichen Datenpool wurden zwei Zeitpunkte ermittelt, an denen der größte Teil der Larven der ersten (T1) und zweiten Generation (T2) geschlüpft war. Da in der weinbaulichen Praxis auschließlich eine Bekämpfung des Larvenstadiums sinnvoll ist, erschienen diese Zeitpunkte als potentiell besonders geeignet für eine Behandlung. Von besonderem Interesse war, in welchem Maße durch die Wahl der Bekämpfungszeitpunkte T1 und/oder T2 eine optimale Dezimierung der Rebzikadenlarven erreicht werden kann. In den Versuchen wurde das derzeit einzige zur Bekämpfung von Rebzikaden zugelassene Insektizid KIRON (Wirkstoff: Fenpyroximat) eingesetzt. Dabei wurde der Einfluss der Behandlung auf den Larvenbefall nach den Applikationen (in wöchentlichen Abständen bis zu einem Zeitraum von vier Wochen) sowie abschließend die Mostqualität in den jeweiligen Versuchsvarianten untersucht.

Die Untersuchungen ergaben, dass bei einer Bekämpfung der ersten Larvengeneration zum Zeitpunkt T1 die Individuendichten auch im Zeitraum nach der Behandlung vergleichsweise gering blieben. Diese T1-behandelten Rebflächen hatten gegenüber Flächen, die gegen die zweite Generation zum Zeitpunkt T2 behandelt wurden, auch unmittelbar nach dem zweiten Applikationszeitpunkt T2 nur geringfügig höhere Larvendichten. In der Auswertung der verschiedenen Varianten stellte sich heraus, dass in den Rebflächen, in denen die zweite Generation zum Zeitpunkt T2 bekämpft wurde, die Mostgewichte des Lesegutes gegenüber den zum Zeitpunkt T1 behandelten Flächen höher lagen. Weitere Versuche sollen zeigen, ob die hohen Wirkungsgrade der T1-Applikation gegen die Larven der zweiten Zikadengeneration bestätigt werden und – bezogen auf die Qualität der Trauben – welche der beiden Bekämpfungsstrategien für die weinbauliche Praxis die sinnvollere ist.





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